| Neurotransmitter sind Botenstoffe, die Informationen
von einer Nervenzelle entweder zu einer oder mehreren anderen Nervenzellen
oder auch auf Muskelzellen übertragen. Verschiedene Substanzen erfüllen
eine solche Aufgabe im menschlichen Gehirn.
Angeborene Neurotransmitterstörungen verursachen schwere neurologische
Erkrankungen. Wegen technischer Schwierigkeiten aufgrund der extrem
geringen Konzentrationen im Liquor cerrebrospinalis (=Hirnwasser) konnten
sie lange nicht diagnostiziert werden. Erst seit wenigen Jahren werden
in wenigen Laboratorien weltweit Neurotransmitter im Liquor untersucht.
Seitdem wurden verschiedene angeborene Defekte als Ursache neurometabolischer
Erkrankungen identifiziert und zum Teil erfolgreich behandelt. Zu den
Neurotransmittern zählen u.a. Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin.
Störungen der Neurotransmission manifestieren sich klinisch oft im
Säuglings- oder Kindesalter als schwere neurologische Erkrankung,
z.B. mit therapieresistenten Krämpfen und Bewegungsstörungen
wie Dystonie und „Parkinsonismus“. Oft finden sich auch andere
neurologsiche Störungen [Hoffmann 1994; Hoffmann, Surtees 1998;
Jaeken 1995].
Tyrosinhydroxylase – Mangel (TH-Mangel)
Der erste Patient mit einem angeborenen TH-Mangel wurde 1994 beschrieben
[Clayton 1994]. Seitdem sind 9 weitere Patienten diagnostiziert worden
[Bräutigam, Steenbergen-Spanjers 1999; Bräutigam, Wevers 1998;
Dionisi-Vici 2000, Knappskog 1995;Lüdecke, Bartholomé 1995;
Lüdecke, Dworniczak 1995; Lüdecke 1996; van den Heuvel 1998].
Die TH ist ein Enzym und katalysiert die Umwandlung von Tyrosin zu L-Dopa
im Körper.Ein TH-Mangel führt daher zu erniedrigten Konzentrationen
an L-Dopa und damit zu niedrigen Konzentrationen an Dopamin, Noradrenalin
und Adrenalin. Das menschliche Gen für TH ist auf dem Chromosom 11p15.5
lokalisiert. Ein angeborener TH-Mangel verursacht schwere dystone Bewegungsstörungen
oder frühkindlichen Parkinsonismus. TH spielt auch eine zentrale
Rolle in der vorgeburtlichen Entwicklung. Bei einem Enzymdefekt (=mangel)
kommt es biochemisch zu einer messbaren Erniedrigung der Metabolite Homovanillinsäure
und 3-Methyoxy-4-hydroyphenylglykol im Liquor bei normalen 5-Hydroyindolessigsäure-
und Pterinkonzentrationen. TH ist überwiegend im Gehirn und dem Nebennierenmark
aktiv. Daher kann eine Messung der Enzymaktivität zwecks Diagnosestellung
nicht durchgeführt werden. Die Bestätigung eines TH-Mangels
kann also nur durch eine molekulargenetische Untersuchung (=detaillierte
Untersuchung des Gens) erfolgen. Bislang sind acht verschiedene Mutationen
(= Fehler im Gen) in neun Patienten aus nicht miteinander verwandten Familien
beschrieben worden. (Literatur auf Anfrage)
Der angeborene TH-Mangel ist eine behandelbare Krankheit betrachtet,
da die meisten Patienten auf eine Therapie mit L-Dopa und ggf. anderen
Medikamenten gut reagieren. Ein TH-Mangel sollte bei allen Kindern mit
schweren Enzephalopathien ausgeschlossen werden, insbesondere bei Patienten
mit Dystonie oder Parkinsonismus.
Die Dopa-Pesponsive Dystonie
den meisten Patienten mit Dystonie - sei es eine generalisierte Dystonie
oder nur eine umschriebene wie z.B. der Torticollis kann durch Medikamente
leider nur wenig geholfen werden: so genannte Anticholinergica wie z.
B. das Medikament Artane können zwar eine gewisse Linderung bewirken,
die Bewegungsstörung bleibt aber in aller Regel deutlich ausgeprägt
bestehen. Im Gegensatz hierzu ist eine seltene Sonderformen der Dystonien
hervorragend mit einem Medikament behandelt war, das normalerweise zur
Wandlung von Parkinson Patienten verwendet wird es handelt sich hierbei
um die DOPA-Responsieve Dystonie (DRD), die durch den japanischen Neurologen
Sogawa im Jahre19 70 erstmals als eigenständige Erkrankung erkannt
wurde sie wird daher auch mit seinen Namen bezeichnet: Segawa-Syndrom
Segawa fand bereits bei seiner ersten Patientin mit DRD einer Reihe von
Charakteristischen Merkmalen, die noch heute als typisch für DRD
gelten: die Erkrankung bei diesen japanischen Mädchen begangen im
Vorschulalter mit einer Gangstörung aufgrund einer Dystonie
der Beine. Zusätzlich zeigte sich an den Händen eine Störung
der feinen Handbewegungen. Segawa beschrieb außerdem eine weitere
klassische Eigenheit von DRD: morgens sind die Patienten in leichten Fällen
typischerweise noch beschwerdefrei oder zumindest nur wenig beeinträchtig.
Im Laufe des Tages nimmt die Störung jedoch deutlich zu: so kommt
es vor, dass unbehandelte Kinder morgens noch allein in die Schule gehen
können, nachmittags aber im Rollstuhl nach Hause gebracht werden
müssen! Durch Schlaf bessert sich die Störung vorübergehend
erheblich, manchmal genügt hierzu bereits ein kleines "Nickerchen"
zur Mittagszeit. Bereits bei dieser ersten Patientin ergab sich der Hinweis
auf eine Beteiligung von Erbfaktoren an der Entstehung der Erkrankung,
da eine Cousine dieser Patientin ebenfalls betroffen war und die nächste
kleine Patientin sowohl einen betroffenen Bruder hatte als auch eine erkrankte
Cousin. Da unten Segewa in der körperlichen Untersuchung der Patienten
auch einige Befunde erhielt, die ihn an den Morbus Parkinson erinnerte,
gab er den Patienten versuchsweise das Medikament L-Dopa, und es wurde
eine komplette Besserung der dystonen Beschwerden beobachtet.
L-Dopa lässt die Vorläufer-Substanz des chemischen Botenstoffes
("Neurutransmitters") Dopamin. Bei der Morbus Parkinson kommt
es dadurch zu einem Mangel von Dopamin, dass Dopamin-produzierende Zellen
in einer bestimmten Region im Hirnstamm absterben. Im Gegensatz hierzu
kommt es bei DRD durch einen Enzymdefekt zum Dopaminmangel. Das geschädigte
Enzym hat den Namen GTP-Cyclohydrolase die ersten Veränderungen des
Erbgutes in diesem Gen (Mutationen) wurden 1994 von Ichinose und Mitarbeitern
beschrieben. Allerdings findet man auch bei typischen Fällen von
DRD nur in etwa der Hälfte aller Patienten Mutationen in diesen Gen.
Der Grund hierfür ist unklar, eine mögliche Ursache ist die
Beteiligung von anderen Genen an der Entstehung der Erkrankung. Vielleicht
sind die Mutationen auch in solchen Bereichen des GTP - Cyclohydrolase
I - Gens versteckt, die wir im Moment noch nicht analysieren können.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sie aus Prägung dieser
Erkrankung wesentlich vielseitige sind als zunächst angenommen wurde.
Besonders wichtig ist es, an DRD zu denken, wenn ein Fall von generalisierter
Dystonie mit Beginn im Kindes oder früheren Erwachsenenalter vorliegt.
Seltener gibt es auch Patienten mit DRD, die erst im Erwachsenenalter
an einem Torticollis oder einer anderen fokalen Dystonie erkranken. DRD
ist sicher eine seltene Erkrankung, aber wohl noch häufiger als noch
vor wenigen Jahren angenommen wurde. Leider geht die Diagnose DRD in vielen
Fällen erst Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte nach Beginn der Erkrankung
gestellt. Dies ist besonders bedauerlich weil das Medikament L-Dopa bei
DRD über viele Jahre hin gegeben werden kann, ohne dass sich erste
Nebenwirkungen entwickeln. Manchmal wird die Diagnose einer DRD zunächst
deswegen verpasst, weil nicht alle Patienten genau dem Bild entsprechen,
dass seit Segawas Beschreibung in den Köpfen und Büchern mancher
Ärzte festsitzt: so sind die tageszeitlichen Schwankungen der Beschwerden
keineswegs immer vorhanden sehr wichtig ist es auch zu wissen, dass nicht
bereits die erste Tablette von L-DOPA automatisch eine völlige Besserung
bringen muss, gerade wenn die Erkrankung schon länger bestanden hat,
muss häufig dieses Medikament über vier bis acht Wochen eingenommen
werden, bis eine klare Aussagen darüber gemacht werden kann, ob es
hilft oder nicht. Ein eigentlicher diagnostischer Test ist für DRD
weiterhin nicht verfügbar. |